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Proportion im HeimatMagazin No.8:

proportion

Proportion ist ein ganz frisch 2010 aus der Taufe gehobenes Modelabel, anders ist als andere. Man könnte in die Falle tappen und es unglamourös nennen, verf Stoßrichtung ihrer Ideen völlig. Es ist eher anders kostspielig, anders denkend und auch anders aufgestellt.

Sie heißen Wilhelm, Gustav, Ernst oder Trude. Nein, nicht unsere buckelige Verwandtschaft, eher schon die von Alexandra Heckel und Frederic Krehl, die wohl teilweise die Namenspaten der Teile ihrer Kollektion sind. Das junge Köln/Berliner Label verbindet alte deutsche Namen mit einem jungen, besonderen Konzept. Proportion heißt die Marke, die hauptsächlich über ihren Online-Shop vertrieben wird; zu Preisen übrigens, die ungläubig Stau- nen machen. Denn streng limitierte Designerteile in bester Qualität fast zu h&m-Preisen, das ist ziemlich neu und aufregend, da kostet ein Rock tatsächlich schon mal unter zwanzig Euro. Für Nicht-Massenware schlicht unglaublich. Möglich wird das durch geringe Betriebskosten, was meint: vor allem keine Miete, zudem ist alles in einer Hand bis auf die Endproduk- tion. Und entsprechend: der Vertrieb über den Online-Shop. Wer die Teile aber zuvor spüren will, kann das inzwischen auch schon in der Nähe probieren. Seit kurzem ist die neue Mode von Proportion nicht mehr nur ausschließlich im Netz zu haben, sondern auch in ausgewählten Shops und Pop-Up-Unternehmungen. In Köln, seit kurzer Zeit aber auch in Düs- seldorf im St. Pauli Blond in Flingern und in Dortmund bei Heimatdesign.

 

Alexandra und Frederic sind keine Modeschul-Absolventen, sie ist die Krea- tive – eigentlich Stylistin –, er der Kopf des Business. Trotzdem machen sie viel zusammen; die Teile werden gezeichnet, dann von einem Schneider realisiert, eventuell verbessert, dann sind Friedhelm, Theodor, Erna und Co fertig. Klingt so basic und bescheiden, wie auch ein Großteil der Stücke aussieht. Eher einfache, wenige, dunkle Farben, Schlichtheit bis fast zum Understatement, Dezenz statt Schnickschnack, meistens aus reiner Baumwolle gefertigt, mal in dick, mal in fein und dünn, meist durchaus raffiniert geschnitten.

Manch eine fühlt sich da an moderne skandinavische Avantgarde etwa dänischer Provenienz erinnert. Und das gilt, nicht gerade häufig, für die Stücke für beide Geschlechter. Überhaupt wirken und sind sogar viele Teile unisex gedacht und gemacht, und das ist nicht nur ablesbar darin, dass unter den Herrensachen gerade auch Ruth, Erna und Trude vertreten,

und bei den Frauen Eberhard, Manfred und Wilhelm zu erwerben sind. Zur aktuellen Damenkollektion gehören etwa extrem weite Hemdkleider, Kapuzenjacken mit Fledermausärmeln, aber auch Sakko, Jackett und Frack sowie Röhrenhosen und einfache Shirts. Bei den Jungs sind es unauffälli- gere Strick-Cardigans und eine größere Auswahl an Shirts und Longsleeves.

Das ist im besten Sinne Jeden-Tag-Mode, die sich nicht über teure Designer- teile mit dickem Namedropping hochstilisiert, sondern einfach aus- gesprochen gute Kleidung möglichst direkt an die Kundschaft bringen will. Und das trotzdem mit großem Input an Individualität, Chic und Locker- heit. In ihren eigenen Worten: „Individualism now!“. Das Label mit dem schön-schlichten schwarz-weiß Logo, das mit x-beinigem und ein bisschen schwul stehenden Pärchen schon viel über Understatement und Lässigkeit verrät, ist ein in vielerlei Hinsicht – ökonomisch, ideologisch, ästhetisch – interessanter Neustart mit extrem hohen Betörungspotential.

↓ www.proportion.me

 

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